Archiv für den Monat: November 2013

Fehlentscheidung Zweikampf Lewandowski/Mertesacker (92. Spielminute)

Datum: 06.11.2013
Champions League Spiel: Borussia Dortmund gegen FC Arsenal London

Viele Zeichen deuteten vor dem Spiel auf ein wahres Spitzenspiel, nicht nur in der Gruppe, hin. Der Tabellenführer der englischen Premiere League zu Gast beim spielstarken zweitplatzierten der Bundesliga – Borussia Dortmund gegen die „Gunners“ aus London. Doch aus einem vielversprechenden Offensivspektakel entwickelte sich, über weite Strecken des Spiels, ein von Taktik geprägtes Kunststück. Sodass es für den Zuschauer an Anschaulichkeit verlor.

Taktische Meisterleistung

Wie schon angesprochen konnte das Spiel das im Vorfeld versprochene hohe Niveau, zu mindestens in Sachen Anschaulichkeit, leider nicht bestätigen. Der erste Durchgang war geprägt von großartiger und eiserner Disziplin, sowie einem hohen taktischen Niveau. In Folge dessen waren Chancen auf beiden Seiten Mangelware.
Die einzig erwähnenswerte Aktion erspielten sich die Borussen aus Dortmund.

Ein sehenswerter Spielzug am rechten Flügel spielte Henrikh Mkhitaryan wunderbar frei. Der Offensivakteuer des BVB zog ungehindert von halb – rechts in Richtung Wojciech Szczesny. Doch der Armenier schloss zu hektisch ab und sein Schuss verfehlte das Tor um knapp zwei Meter.

Zurück aus den Kabinen erhöhten die Gastgeber den Druck – einen Kopfball von Reus parierte der sichere polnische Rückhalt der Londoner stark. Auf Seiten der Gunners war bis zu diesem Zeitpunkt keine nennenswerte Aktion zu verbuchen. Bis zur 62. Minute als ein guter Angriff über Özil und Giroud im Fünf – Meter – Raum von Ramsey eingeköpft wird. Dortmund verfiel in einen Schockzustand, Arsenal errang nun deutliches Übergewicht.

Mit Glück und Können vereitelte Roman Weidenfeller zwei weitere gute Chancen des Gastes von der Insel. Dortmund gelang es bis zum Schluss nicht ein Tor zu erzielen. Eine bis dahin gute Schiedsrichterleistung sollte in der 92. Minute an Makellosigkeit verlieren. In jener Minute begann Schiedsrichter Björn Kuipers seinen einzigen Fehler, der wohl den Spielausgang entscheidend beeinflusste.

Fehlentscheidung verhilft Arsenal zu drei Punkten

Blickt man auf die besagte Minute der Nachspielzeit im „Signal Iduna Park“, sieht man eine Flanke aus dem rechten Halbfeld geschlagen von Kevin Großkreuz. Auf Höhe des „11 – Meter – Punktes“ kommt es zum Zweikampf zwischen Robert Lewandowski und Per Mertesacker. Lewandowski dreht sich mit viel Geschick um Mertesacker, um mit dem rechten Fuß den Ball aus der Luft zu holen.

Mertesacker wohl mit dieser tollen Zweikampfführung des Polen überfordert, zieht klar erkennbar an den Schultern des Dortmunder Stürmers. Dieser gerät dadurch aus dem Gleichgewicht und geht zu Boden. Doch der gut stehende Schiedsrichter Björn Kuipers, sowie sein Assistent auf der Grundlinie erkennen das klare und regelwidrige Ziehen des Londoner Verteidigers nicht als Foul an – Fehlentscheidung.

In dieser Situation muss ein Elfmeterpfiff erfolgen und dem BVB den verdienten Strafstoß bringen. Das Dortmunder Publikum, sowie die Spieler protestierten zu Recht, jedoch, wie zu erwarten, ohne Erfolg.

Somit wurde ein besserer BVB – zu mindestens im zweiten Durchgang – um den verdienten Ausgleich gebracht. Dadurch stehen die Jungs von Jürgen Klopp nun vor dem schweren Heimspiel gegen Neapel stark unter Druck und müssen um das Weiterkommen in ihrer Gruppe zittern.

Autor: Tom Wolny

Rücknahme Elfmeterentscheidung Borussia Dortmund – VFB Stuttgart (42. Spielminute)

Spieldatum: 01.11.2013
Das Freitagabendspiel zwischen Borussia Dortmund und dem VFB aus Stuttgart bot den Zuschauern einen packendenden und torreichen Auftakt des 11. Spieltages in der Fußballbundesliga. Am Ende siegte der BVB im heimischen Stadion mit 6:1 und lies den in der ersten Hälfte tapfer agierenden Stuttgartern, die sogar in Führung gingen, keine Chance. Doch brisant wurde die Partie kurz vor der Halbzeit als einen Elfmeterpfiff und dessen Revidierung gab.

Foul oder nicht

Angesprochen wird hierbei die 42. Spielminute als Fifa – Schiedsrichter Florian Meyer ein Foul vom Dortmunder Kevin Großkreuz an Timo Werner ahndet und zunächst auf Elfmeter für Stuttgart entscheidet. Gewiss handelte es sich dabei um eine harte und sehr schwierig zu treffende Entscheidung.

Der 17 Jahre alte Jungprofi des VFB, Timo Werner, setzte sich auf dem linken Flügel herausragend gegen die Dortmunder Verteidigung durch und zog mit hohem Tempo und enger Ballführung in den Strafraum des BVB. Nur Großkreuz war noch in der Position mit Geschick und Glück Werner vom Ball zu trennen, doch dieser kreuzte den Laufweg des Dortmunders und lies sich daraufhin an der Kante des „Fünf – Meter – Raumes“ fallen. Schiedsrichter Florian Meyer entschied, ohne zu zögern, unter starken Protesten der Dortmunder, auf Elfmeter.

Doch in dieser Situation sollte noch nicht das letzte Wort gesprochen sein. Denn über Funk bekam der Referee von seinem Assistenten mitgeteilt, dass seine Entscheidung falsch gewesen sei. Daraufhin nahm der Unparteiische sein schnelle Entscheidung zurück und lies die Partie mit Schiedsrichterball fortsetzen.

Wahre Größe eines Fifa – Schiedsrichters

Schaut man sich die Szene der 42. Minute im Dortmunder „Signal Iduna Park“ genauer an, ist Schiedsrichterball zu Recht die einzige Möglichkeit der Spielfortsetzung. Selbst aus diversen Wiederholungen und Kamerawinkeln ist keine Berührung zu erkennen, die einen Elfmeterpfiff zur Folge haben darf.

Nach dem Kreuzen Werners ist ein leichter Kontakt zwischen ihm und Großkreuz zu erahnen, aber rechtfertigt niemals eine Elfmeterentscheidung. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse wird deutlich, dass die vorschnelle Elfmeterentscheidung Meyers falsch war – ihm der Assistent jedoch seine Sichtweise auf die Situation über Funk schildert und somit der Fehlentscheidung eine Wende gibt.

Florian Meyer beweist in der folgenden Sekunde wahre Größe und Stärke in dem er seine Entscheidung revidiert und das Spiel mit Schiedsrichterball fortsetzen lässt. Dies war mutig und vor allem richtig.

Dafür gilt ihm und seiner Leistung größte Anerkennung und zeigt, gerade in Erinnerung an die Schiedsrichterentscheidungen der letzten Wochen, zu welchen Leistungen die Schiedsrichter in Deutschland im Stande sind. Bärenstark und höchst sympathisch – die Kritik zu Florian Meyer an diesem Spieltag.

Autor: Tom Wolny

Elfmeterentscheidung Hannover 96 – Hoffenheim (10. Spielminute/0:1)

Spieldatum: 26.10.2013
Das Bundesligaspiel des 10. Spieltages zwischen Hannover 96 und Hoffenheim bietet genug Gesprächsbedarf für die weite Fußballwelt. Das Spiel war gespickt mit schwierigen und dem zu Folge harten Schiedsrichterentscheidungen – deutlich zum Nachteil von Hannover 96, die zwei Platzverweise und einen Elfmeter nach dem Abpfiff zu Buche stehen hatten.

Stieler leitete Niederlage Hannovers ein

Die brisanteste und wohl schon spielentscheidende Szene ereignete sich in der 10. Minute. Ein Elfmeterpfiff und die schnellste Ampelkarte der Bundesligageschichte waren die Folge der Minute zehn in der „AWD Arena“ von Hannover. Hoffenheim in Person von Roberto Firmino war in Ballbesitz. Der Hoffenheimer Youngstar behauptete den Ball im Mittelfeld in der Hälfte des Gegners. Mit gutem Auge und toller Technik spielte er einen flachen, tiefen Ball zwischen den Verteidigern Hannovers hindurch in Richtung Ron – Robert Zieler.

Dieser Pass leitete das Laufduell zwischen Hannovers Schulz und dem Hoffeheimer Modeste ein. Zwischen beiden kommt es im Strafraum halb – rechts vor dem Hannoveraner Tor zum Zweikampf in dem erst Schulz, dann Modeste zu Boden gehen. Für den jungen Schiedsrichter Tobias Stieler wohl eine klare Sache – ohne zu zögern zeigte er auf den Punkt. Doch die Reaktion der Spieler, Funktionäre und der Fans Hannovers lies anders erahnen. Heftige Proteste waren die Folge dieser Entscheidung.

Fehlentscheidung und Phantomtor im Hinterkopf?

Doch schaut man sich die Szene noch einmal an, wird deutlich, dass hier der Referee wohl zu schnell auf den Punkt zeigte. Beide Spieler waren zur selben Zeit auf Höhe des Balles, wobei im weiteren Verlauf erkennbar wird, dass nicht Schulz das Foul begeht, in dem er Modeste mit einem Tackling zu Fall bringt, sondern der Stürmer der Hoffeheimer ungestüm in Schulz hinein rennt und diesen damit aus dem Gleichgewicht und in Folge dessen zu Fall bringt. Daraufhin fällt Modeste ebenfalls, aber nur auf der Grundlage, weil er selbst durch sein ungestümes Anlaufen das Gleichgewicht nach dem Körperkontakt mit Schulz verlor.

Diese Situation ist sehr kritisch zu bewerten, da Schiedsrichter Tobias Stieler in einem schlechten Winkel und einer schlechten Position zur Situation stand. Hatte Schiedsrichter Stieler selbst Zweifel in der Situation und entschied aufgrund der Geschehnisse der letzten Woche lieber zu Gunsten Hoffeheims? Wollte er mit dieser Entscheidung eher die Fehlentscheidung zu Lasten Hannovers in Kauf nehmen, um bei einer weiteren Fehlentscheidung gegen Hoffenheim, die ziehenden Kreise des Phantomtores nicht noch zu vergrößern?

All dies sind Spekulationen, die durch das Tor der letzten Woche nicht ausbleiben.
Fest steht jedoch, dass die Elfmeterentscheidung falsch war und somit verbunden mit der nur wenige Minuten später folgenden schnellsten Ampelkarte der Bundesligageschichte, die Hannoveraner Niederlage einleitete.

Autor: Tom Wolny

Schiedsrichter und deren Mangel in Deutschland

Jede Woche sind knapp 74.749 Unparteiische(Quelle: DFB-Website) tätig und leiten deutschlandweit von 167.000 Mannschaften offizielle Wettbewerbsspiele. Diese Schiedsrichter gehören jeweils einem Landesverband an, in dessen Wirkungskreis sie tätig sind bzw. der dessen Ausbildung leitete.

Die meisten Schiedsrichter gehören dem Bayerischen Fußball-Verband BFV an (etwa 16.000), es folgen Niedersachsen (etwa 11.000), Württemberg (knapp 6.500) und Hessen (etwa 6.400).

Mehr als 58.500 Schiedsrichter sind volljährig (über 18 Jahre alt), während 13.600 die Altersgrenze noch nicht überschritten haben – aufgrund des oftmals vernommenen „Jugendwahns“ im Schiedsrichterwesen eigentlich eine eher niedrige Anzahl. Ferner spricht der DFB auch von etwa 2.600 weiblichen Schiedsrichterinnen, die in Deutschland aktiv tätig sind.

Große Suche nach Unparteiischen

Trotz annähernd 75.000 Schiedsrichtern im deutschen Fußballsport drückt jedoch der Schuh. In vielen Kreisen werden Unparteiische händeringend gesucht – jede Horrormeldung über Vorfälle wie Beschimpfungen, Beleidigungen und Verletzungen von Referees gibt dieser Mangelsituation weiter Nahrung.

Verständlicherweise reagieren viele junge Interessierte – sicherlich auch aufgrund negativer wahrgenommener Geschehnisse – bezüglich eines solch wichtigen Amtes erstmals abweisend. Auch Eltern sorgen sich um ihren Nachwuchs, wenn dieser sich exponiert zur Leitung von Fußballspielen erklärt; in einigen Fällen bestimmt auch berechtigt angesichts subjektiv gravierend abnehmender Hemmschwelle gegenüber den Unparteiischen.

Tatsächlich bilden die Landesverbände Jahr für Jahr über 9.000 neue Unparteiische aus. Doch annähernd die gleiche Zahl hört aus unterschiedlichsten Gründen wieder auf.

Strafzahlung für Vereine bei Schiedsrichter-Minderbestand

Dennoch benötigt der Sport in der gegenwärtigen Sozialisation Schiedsrichter. Stellt ein Verein daher nicht genügend Referees, so muss eine Strafzahlung getätigt werden. Dies werden in den Landesverbänden unterschiedlich gehandhabt – Faustregel: ein Unparteiischer pro Seniorenmannschaft im Verein muss gestellt und etwa 250€ pro fehlendem Schiedsrichter gezahlt werden.

Der WDR berichtet gar von einem gravierenden Missstand im Kreis 6 Kempen/Krefeld. Einige Jugendteams bei den Kreisklasse-Spielen der B-, C- und D-Jugend müssen hier erstmals ohne Schiedsrichter auskommen.

Die Vereine wurden ausdrücklich dazu aufgefordert, mehr Referees zur Verfügung zu stellen, um den Spielbetrieb auch künftig aufrecht erhalten zu können, sonst müssen konstant Trainer/Eltern/Zuschauer die Spielleitung übernehmen – oder die Idee des fairen freundlichen Miteinanders hält Einzug in die soziale Fußballumwelt, wie sie der BFV beispielsweise bei den D- bis F-Junioren mit dem „Spielbeauftragten“ einführen möchte.

Von Dominik Langenegger