Archiv für den Monat: Oktober 2013

Administrative Aufgaben des Schiedsrichters

Zum Spiel kommen, schnell das Trikot anziehen und los geht’s?

Nein! Denn oftmals vergessen bei den Aufgaben der unparteiischen Spielleitungen werden sämtliche administrative Herausforderungen, die an Schiedsrichter gestellt werden. Nicht nur in der Beobachtung, sondern auch im Ausbildungsbereich scheint dieser Aspekt hin und wieder vernachlässigt zu werden.

Lüder Menke, Obmann im Kreis Cuxhaven, berichtet beispielsweise in der Schiedsrichter-Zeitung des DFB: „Der eigentliche Anwärter-Lehrgang fokussiert sich fast ausschließlich auf das Regelwerk. Deshalb bieten wir im Rahmen der Ausbildung einen besonderen Termin an, bei dem nur über die ‘Rahmenbedingungen zur Leitung von Fußballspielen’ informiert wird.“

Platzaufbau, Markierungen und Kontrolle der Spielerausrüstung

So lernen die jungen Schiedsrichter, dass sie etwa eine Stunde vor dem Anpfiff am Spielort sein sollen, um Aufgaben zu erlegen wie die Trikotfarben beider Mannschaften abzugleichen, den Platzaufbau, Tore, Markierungen zu kontrollieren, die Spielnotizkarten auszufüllen, ggf. in einigen Landesverbänden auch die Online-Spielberichte zu checken und freizugeben und selbstverständlich auch die eigene Erwärmung nicht zu vernachlässigen. Demnach eine ganze Menge an Aufgaben, in die man sich erst mal einarbeiten muss und die man dann möglichst routiniert vor den Spielerinnen und Spielern erledigen soll.

„Den Moment in der Kabine nutze ich, um mich den Spielern vorzustellen. Ich weise sie darauf hin, dass sie Schmuck ablegen müssen, kontrolliere ihre Ausrüstung und vergleiche die Rückennummern mit denen im Spielbericht“, erzählt Isabel De Marco, eine 19-Jährige Unparteiische der DFB-Schiedsrichter-Zeitung.

Daher sollten auch Umgangsformen im Kontakt mit den unterschiedlichsten Charakteren der Mannschaften bzw. deren Mannschaftsvertreter, Trainer, Hausmeister, Platzmarkierer usw. beherrscht werden, um bereits im Vorfeld alles für eine souveräne Spielleitung abzuklären. So kennt man beispielsweise auch die Bitte nach seitlich postierten „Schiri-Unterstützern“, die einen Ausball per Fahne anzeigen, um so dem Schiedsrichter die Aufgabe erleichtern.

Formale Aufgaben wie das Erstellen von Spielberichten

Die formalen Bedingungen (beispielsweise des Spielberichtes, egal ob dieser digital online vorliegt oder in Papierform) müssen selbstredend kontrolliert und gegebenenfalls mit Detailwissen ausgebessert werden. Schließlich vertritt der Schiedsrichter in vielen Augen vor Ort den jeweiligen Landesverband bzw. gar die Obrigkeit des Deutschen Fußball Verbandes und trägt dadurch bereits einen wichtigen Teil zur erfolgreichen Abwicklung der Partie bei.

All diese Aufgaben nehmen eine gewisse Zeit in Anspruch und sollten in Ruhe vor Spielbeginn erledigt werden. Um gewissenhaft für das anstehende Spiel vorbereitet zu sein empfiehlt sich daher etwa eine Stunde vor Anpfiff vor Ort zu sein.

Von Dominik Langenegger

Wie hoch ist die Bezahlung eines Fußball-Schiedsrichters?

Das Gehalt der Unparteiischen variiert in den unteren Amateurbereichen Bereich stark von Verband zu Verband, da keine fixen Gehaltsstufen existieren. Für ein Jugendspiel erhält ein Referee nur einige Euro, bei Partien am heimischen Vereinsgelände oftmals nur dankende Worte oder eine Brotzeit.

Bei den erwachsenen Amateuren schon etwas im Bereich um 20 Euro, die sich mit steigenden Spielklassen selbstverständlich schnell steigern. Die Anfahrtskosten werden jedoch in jedem Fall erstattet.

Fester Tarif in den Profiligen

Während die Bezahlung demnach im Grundbereich selten über ein Trinkgeld und eine kostenlose Bratwurst hinausgeht, werden die Schiedsrichter in der Regionalliga und in den Bundesligen nach einem festen Tarif bezahlt.

Im Prinzip wurde seit Jahren auch im professionellen Fußball nur der Einsatz jedes Spielleiters pro Partie vergütet. Bundesliga-Schiedsrichter hingegen erhalten seit 2012 in jeder Spielzeit als „Halb-Profis“ eine finanzielle Grundabsicherung vom Deutschen Fußball-Bund. Der Mindestbetrag hierfür liegt bei 15.000 Euro für die Zweitliga-Referees.

Fifa-Schiedsrichterbekommen Grundgehalt

Fifa-Schiedsrichter und Unparteiische der Bundesliga mit mehr als fünf Jahren Erfahrung erhalten 50.000 Euro „Grundgehalt“. Für alle anderen Bundesliga-Schiedsrichter ist ein fester Betrag von 40.000 Euro vorgesehen, der sich bis zur Saison 2016/2017 auf 55.000 Euro erhöht.

Unverändert bleiben trotz dieser Einführung die Spielhonorare pro geleiteter Partie: Bundesliga-Referees bekommen weiterhin jeden Einsatz mit 3800 Euro vergütet, in der 2. Bundesliga liegt das Honorar bei 2000 Euro.

Laut Schiri Knut Kircher (2013 gegenüber dpa) hätten fast alle Schiedsrichter der 1. und 2. Bundesliga in ihrem sonstigen Beruf reduzierte Arbeitszeiten und investierten für ihre Tätigkeit im Fußball enorm viel Zeit, etwa 30 bis 40 Stunden pro Woche.

Für die Weltmeisterschaft erhalten die hochklassigsten Unparteiischen außerdem einen Bonus. Doch den Beruf dafür aufgeben? Das dürfte nur in ausgewählten Situationen glattgehen. Ein Beruf, in dem man sich die Zeit selbst einteilen kann, kann von Vorteil sein.

Die Einführung von Profi-Schiedsrichtern fände Kircher daher auch nicht sonderlich sinnvoll. „Wir arbeiten bereits in allen Bereichen sehr professionell, sind durch unseren Beruf aber auch unabhängig. Das ist ein großer Vorteil“, so Kircher.

Langer Weg zum Profi-Referee

Diejenigen, die sich jedoch nun Hoffnungen machen auf eine ertragreiche Karriere als Fußball-Schiedsrichter müssen aber auch gewarnt werden: Nach einer Faustregel unbekannter Quelle hat man als Referee kaum noch eine Chance, die Bundesliga pfeifen zu dürfen, wenn man nicht bereits mit etwa 25 Jahren mindestens in der Regionalliga tätig ist.

Dies wiederum bedeutet, dass man als Jugendlicher oder spätestens als junger Erwachsener bereits beginnen sollte und viel Talent, Förderung und auch Glück für einen Aufstieg auf der Schiedsrichter-Karriereleiter benötigt.

Viel Erfolg!

Von Dominik Langenegger

Was gehört in die Schiedsrichter-Tasche?

Was benötigt ein Schiedsrichter eigentlich alles vor Ort bei seinem Einsatz? Bundesliga-Schiri Tobias Welz packt in der Schiedsrichter-Zeitung 2/2013 aus und erzählt bzw. gibt Tipps, was er alles zu den Partien mitnimmt – denn die Vorbereitung auf ein Spiel beginnt bereits zu Hause, wenn man die eigene Sporttasche packt!

Schuhe:

Für Welz als Standard bei jeder Partie: Sauberes Schuhwerk, um einen guten Eindruck zu hinterlassen! Am liebsten verwendet Welt an den Füßen Tausendfüßler („Mundial Team“ von Adidas), aber auch Stollenschuhe nimmt der Referee immer mit, falls Regen und matischiger Boden dies für einen sichereren Stand erfordern.

Trikot:

Das Trikot packt Welt in verschiedenen Farben ein, um eventuelle Farbproblematiken mit den Trikots der Teams zu umgehen. Diese Ausstattung sollte ebenso gepflegt und sauber sein wie die Schuhe und für einen anständigen Auftritt sorgen. Ein darunter liegendes Funktionsshirt bei Kälte oder Hitze kann Unterstützung bieten.

Schiedsrichter-Mappe

Zwei Pfeiffen und einige Ersatzkarten in Rot und Geld nimmt der Unparteiische zur Sicherheit zu jeder Partie mit. Außerdem hat der Bundesliga-Schiedsrichter immer noch sein erstes Schiri-Mäppchen!

Unterlagen:

Um bei eventuellen Unklarheiten direkt reagieren zu können nimmer Welt auch immer das aktuelle Regelheft mit zu den Partien – zusätzlich hierzu eine Adressliste mit wichtigen Ansprechpartnern und Notfallnummern.

Stutzenhalter, Headset und Funkfahnen

Stutzenhalter gehören für Welz ebenso zum korrekten, gepflegten Auftreten dazu, weshalb diese nie bei ihm fehlen dürfen. Ebenso muss ich Bundesligabereich natürlich das Headset und die Funkfahnen mit von der Partie sein. Auf eine Pulsuhr verzichtet der Referee bisher, kann sich aber den Einastz durchaus einmal vorstellen, um die eigene Belastung während einer Partie festzuhalten.

Haben wir nun alles, was der Schiedsrichter für eine Partie benötigt?

Nun ja, die banalen Dinge sollten angesichts dieser umfassenden Packliste nicht vergessen werden! Duschsachen, Handtuch, Wechselkleidung sollte wenn möglich ebenso den Weg in die Sporttasche finden, um auch nach dem Spiel die Souveränität zu verkörpern, die ein Schiedsrichter ausstrahlen sollte!

Von Dominik Langenegger

Wie kann ich Schiedsrichter werden?

Für die Ausbildung zum Schiedsrichter ist grundsätzlich der DFB-Landesverband zuständig, am Beispiel des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) als größtem der 21 Landesverbände des Deutschen Fußball-Bund (DFB) soll dies kurz dargestellt werden.

Voraussetzungen um Schiedsrichter zu werden

Der BFV fasst auch in einem Handzettel die wichtigsten Kriterien zusammen, welche als Voraussetzung für die Schiedsrichter-Laufbahn gelten. Denn „Schiri“ kann prinzipiell jeder werden, der:

• Mitglied in einem Fußballverein sein ist
• Interesse am Fußballsport besitzt
• die Einsatzbereitschaft, jährlich 20 Spiele zu begleiten und an Weiterbildungen an acht bis zwölf Tagen pro Jahr teilzunehmen, besitzt
• mindestens zwölf Jahre alt ist; die Schiedsrichter-Ordnung des DFB empfiehlt dieses Mindestalter, in einzelnen Landesverbänden wie in Bayern oder in Niedersachsen (mind. 14 Jahre) wird hiervon abgewichen. Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen/Pflichtsitzungen

Gleichfalls ist die körperliche Fitness, vor allem im läuferischen und konditionellen Bereich, auszuweisen, die über regelmäßige Tests erhoben wird.
Diese Grundvoraussetzungen sollten als Art Leitlinien für alle interessierten Schiedsrichter-Bewerber mitgebracht werden, um mit Spaß und einer gewissen Kompetenz in das Hobby starten zu können.

1.Ansprechpartner: Der Verein

Sofern diese elementaren Grundvorstellungen erfüllt sind oder in Kürze erfüllt werden können, kann als erster Ansprechpartner der Verein dienen. Hier sollten Trainer, Vorstände, bereits tätige Schiedsrichter bzw. deren Schiedsrichter-Obmann Bescheid wissen und alle nötigen Informationen weitergeben können. Die örtlichen Schiedsrichter-Gruppe, die zuständigen Gremien der Kreise und Bezirke und der zuständigen DFB-Landesverband (z.B. der BFV) können dann detailliertere Auskünfte erteilen.

Insbesondere die Bitte, sich mit bekannten Schiedsrichter kurz zu schließen, um einen kurzen Einblick mit Austausch über Aufgabengebiete, Herausforderungen und (positive wie negative) Seiten des Schiedsrichterwesens zu bekommen, erscheint elementar, um auf die kommenden Situationen optimal vorbereitet zu sein.
Auch wenn es nicht zu den eigens erläuterten Voraussetzungen zählt, so ist jedoch eine gewisse charakterliche Persönlichkeitsstruktur ebenfalls grundlegend, um eine neutrale Spielaustragung garantieren zu können und auch durch Anfeindungen der Spielerinnen und Spieler sowie der Zuschauer nicht beeinflussen zu lassen.

Ausbildung zum Schiedsrichter

Die Ausbildung zum Schiedsrichter wird von jeder Schiedsrichter Gruppe einmal pro Jahr angeboten. Diese findet je nach Landesverband in 20 bis 50 Unterrichtsstunden im Zeitraum von drei bis zwölf Ausbildungstagen innerhalb von einer Woche bis sechs Wochen statt, dabei wird eine grundlegende Einführung in die Grundzüge der Fußballregeln vermittelt.

Anschließend warten eine schriftliche und eine praktische Prüfung auf die Schiedsrichter-Bewerber, wobei die schriftliche Prüfung aus Regelfragen besteht, wie sie auch in diversen vergleichbaren Regelquiz-Situationen im Internet zu absolvieren sind.

Nach bestandener Prüfung werden die Jungs-Schiedsrichter je nach Alter zuerst in Juniorenspielen und teilweise auch in Seniorenspielen eingesetzt, beginnend im Basisbereich der unteren Ligen. Hierbei erfolgt möglichst Betreuung durch erfahrene Kollegen, die als Paten fungieren, um den Einstieg in das Hobby zu erleichtern und Tipps und Erfahrungen an den Nachwuchs weitergeben sollen.

Von Dominik Langenegger